Geschichte aus dem Protokoll


Jodlerklub Alpnach, kurz nach der Gründung

Hintere Reihe: Wallimann Franz, Britschgi Ignaz, Lieb Anton, Gisler Karl, Steiner Walter, Durrer Bruno, Niederberger Alois
Vodere Reihe: Mäder Jost, Langensand Arnold, Bäbi Arnold, Halter Heribert, Wallimann Pius, Arnold Josef, Halter Jost, Roth Adolf


Vorgeschichte

In Alpnach hatte der Jodelgesang seit jeher Freunde. Da und dort wurde vereinzelt oder in kleinen oft zufälligen Gruppen gesungen und gejodelt. Besonders hatte sich der Trachtenverein vorgenommen, auch dem Jodeln seine Aufmerksamkeit zu schenken. Um aber den Jodelgesang hauptzwecklich und zielbewusst zu pflegen und sich systematisch darin zu üben und zu bilden, musste die Gründung eines Jodlerklubs ins Auge gefasst werden.

Bestrebungen hierzu gingen von verschiedenen Richtungen aus; es gab diesbezüglich verschiedene Strömungen, in welchen gelegentlich behutsam abgetastet und sondiert wurde. Man spürte, es lag irgendwie in der Luft, es war an der Zeit, die Sache konnte bald reif sein. Als guter Vorjodler war Josef Arnold (Rengg) wohlbekannt; die ernsthafte Schwierigkeit hatte jedoch immer darin bestanden, einen geeigneten Dirigenten zu finden.

Als dieses Problem in der Person des Sekundarlehrers Jost Mäder gelöst zu sein schien, ergriff Edy Stalder die Initiative: er notierte die ihm bekannten Jodlerklubinteressenten und übergab die Liste Adolf Roth, der auf Grund dieses Verzeichnisses Einladungskarten verschickte

zur
VORBEREITENDEN SITZUNG ZWECKS GRÜNDUNG EINES JODLERKLUBS
am Donnerstag, 16. Dezember 1947, abends 8 Uhr in der Krone

Es erschienen zwölf Personen. Zunächst wird erworgen, ob überhaupt an die Bildung eines Jodlerklubs herangegangen werden soll oder nicht. Übereinstimmend ist man der Meinung, dass es Zeit wäre, einen solchen Klub zu gründen.

Sodann wird die Dirigentenfrage aufgerollt. Man überlegt, wer ganz allgemein gesehen als Jodlerklubdirigent in Frage kommen könnte. Es zeigt sich, dass praktisch nur Jost Mäder in Betracht kommt, der leider nicht anwesend ist und nicht verpflichtend zugesagt hatte. Schliesslich beauftragt man Josef Arnold und Ignaz Britschgi, diese Angelegenheit zu klären.

Ein weiterer Diskussionspunkt ist das Verhältnis Jodlerklub/Trachtenverein. Unter den Trachtenleuten gibt es welche, die die Bildung eines Jodlerklubs innerhalb des Trachtenvereins anstreben. Aus ergiebiger Aussprache muss gefolgert werden, dass ein zu gründender Jodlerklub selbstständig und vom Trachtenverein unabhängig sein sollte. Es wird beschlossen, auf die nächste Versammlung die am Jodeln interessierten Trachenleute einzuladen, um mit ihnen die ganzen Angelegenheit zu besprechen. Ferner soll bei der nächsten Zusammenkunft eine Stimmprüfung vorgenommen werden, um auch in stimmlicher Hinsicht die Klubzusammensetzung festzustellen und weitere Mitglieder vorwiegend unter diesem Gesichtspunkt anwerben zu können.

Adolf Roth übernimmt den Auftrag, bald eine weitere Tagung einzuberufen. In zuversichtlicher und gemütlicher Stimmung verläuft diese erste vorbereitende Sitzung.


Gründung des Jodlerklubs

Versammlung am 30. Dezember 1947, Dienstag ab 8 Uh abens im Schlüssel
Es sind 18 Personen anwesend, darunter die massgebenden Jodelinteressenten vom Trachtenverein. Josef Arnold eröffnet und spricht eigener Erfahrung über die Voraussetzungen eines gedeihlichen Jodlerklubs. Jost Mäder legt eindeutig und programmatisch dar, unter welchen Bedingungen er bereit wäre, einen Jodlerklub zu dirigieren.

Doch vorerst soll die Beziehung Jodlerklub/Trachtenverein abgeklärt werden. Erneut wird betont, dass ein bildender Jodlerklub ein selbstständiger Organismus sein sollte. Einigen Vertretern des Trachtenvereins passt die vorgesehene Art Jodlerklub nicht recht. Josef Halter drängt auf klare Entscheidung des Einzelnen und auf Beschlussfassung.

Jeder Anwesende spricht sich der Reihe nach darüber aus, welche Vereinsverpflichtungen bereits auf ihm lasten und ob er gewillt ist, heute noch auf vorliegender Basis einen Jodlerklub mitzubegründen. Jene, die nicht mitmachen wollen oder können werden ersucht sich abzusondern; mit allen Andern wird sogleich die Stimmprobe durchgeführt. Nach erfolgter Stimmprüfung erklärt Jost Mäder, der die Probe abgenommen hatte, ein Jodlerklub könne sehr wohl mit all den Anwesenden gebildet werden un er sei bereit, einen solchen zu leiten. Einstimmig wird der bedeutungsvolle Beschluss gefasst:

Wir, die Anwesenden, bilden hiermit den Jodlerklub Alpnach.

Es sind folgende: Mäder Jost
Arnold Josef
Britschgi Franz
Britschgi Ignaz
Gisler Karl
Gisler Xaver
Halter Heribert
Halter Josef
Roth Adolf
Stalder Edy
Wallimann Franz

Steiner Walter und Wallimann Pius waren in der vorausgehenden Versammlung mitdabei gewesen. Diesmal lassen sie sich entschuldigen, erklärten jedoch, bei einem gründenden Jodlerklub mitmachen zu wollen.

Ein Provisorischer Vorstand wird gegründet, der sich wie folgt zusammensetzt:

Präsident: Arnold Josef
Aktuar: Halter Josef
Kassier: Roth Adolf

Eine Zusammenstellung der Jodler nach Stimmgruppen zeigt, dass vor allem für den zweiten Bass noch weitere Mitglieder aufgenommen werden müssen. Mehr als 18 Personen sollte jedoch der Klub nicht umfassen. Der Präsident wird ersucht mit Unterstützung des übrigen Vorstandes für die Werbung besorgt zu sein und eine weiter Klubsitzung im Januar 1948 einberufen zu lassen.


Ergänzende Versammlung zur Klubgründung

Klubgründung ergänzende Versammlung und 1. Probe am Samstag, 17. Januar 1948, ab 8 Uhr abends im Schulhaus
Ausser Steiner Walter sind alle erschienen. Begrüsung durch den Präsidenten.
Als neue Jodler sind angetreten:

Durrer Bruno
Niederberger Alois
Roth Willy

...welche als Mitbegründer einstimmig in den Klub aufgenommen werden. Der provisorische Vorstand wird in seiner gleichen Zusammensetzung definitiv gewählt. Statuten auf eine spätere Generalversammlung in Aussicht gestellt.

Dem Dirigenten Jost Mäder wird der besindere Dank ausgesprochen, weil er in Einsicht und aus Idealismus seine Dienste dem Klub unentgeltlich zur Verfügung stellt.

Der Kassenbeitrag beträgt monatlich Fr. 2.--; er soll später wieder zurückvergütet werden.

Wöchentlich soll mindestens einmal im Schulhaus Probe sein. Damit ist die Jodlerklubgründung ergänzt.

Donnerstag, den 29. Januar 1948 werden nach abgelegter Stimmprüfung Langensand Arnold und Lieb Anton provisorisch in den Klub aufgenommen; die definitive Aufnahme bleibt einer späteren Generalversammlung vorbehalten. Die Mitgliederzahl ist somit auf 18 gestiegen und das vorgesehene Maximum dürfte erreicht sein.


Erste Generalversammlung

Erste Generalversammlung am Samstag, dem 5. Juni 1948 im Rössli, Alpnachstad
Zu dieser ersten und wichtigen Generalversammlung sind von den 18 Jodlerklubmitgliedern 17 erschienen.

Um ?? Uhr abends kann der Präsident Josef Arnold die Sitzung mit einer kurzen Ansprache eröffnen. Der Aktuar liesst sodann das Protokoll, welches ziemlich umfangreich ist, da es die ganze bisherige Klubgründungsgeschichte umfasst. Gegen das Protokoll hat niemand etwas einzuwenden und gleichfalls wird die vom Vorstand geprüfte Vermögensrechnung unter Verdankung entgegengenommen. Unser Dirigent, Jost Mäder, hält über das bisherige gesangliche Schaffen Rückblick; er gibt seiner Zufriedenheit Ausdruck und spornt uns an zu eifriger und zielbewusster Weiterarbeit.

Für die zu treffenden Wahlen und Abstimmungen werden Durrer Bruno und Wallimann Franz als Stimmenzähler ernannt. Alsdann werden die beiden bisher provisorischen Mitglieder Langensand Arnold und Lieb Anton einstimmig und definitiv in den Klub aufgenommen.

Das Haupttraktandum der Generalversammlung bilden die Blubstatuten. Die Statuten waren unserem Jodler-Dr. Ignaz entworfen und vom Vorstand durchberaten worden In 1 1/2 stündiger Arbeit werden nun die Statuten artikelweise gelesen, besprochen und bereinigt. Zuletzt werden die statuten als Ganzes angenommen. Es wird noch beschlossen, jedem Klubmitglied ein Statutenexemplar abzugeben. - Unser Klub hat sich damit selber ein Gesetz gegeben; Ordnung und Friede sollen hierdurch gestützt sein.

Gemäss den soeben angenommenen Statuten wird der Klubvorstand bestellt. Der bisherigeVorstand hatte aus drei Mitgliedern bestanden; er wird nun auf fünf erhöht und zwar der Reihe nach wie folgt:

Präsident: Arnold Josef (bisher)

Vizepräsident:

Britschgi Ignaz (neu)
Kassier: Roth Adolf (bisher)
Aktuar: Halter Josef (bisher)
Beisitzer: Durrer Bruno (neu)

Als weiterer wichtiger Punkt kommt endlich die Frage Klubtracht zur Abklärung. Hierüber war in vergangener Zeit reichlicher Gedankenaustausch gepflogen worden. Die Entscheidungsfrage heisst: Bluse oder Senner. Bisher hatte es geschienen, dass die Mehrzahl eher für den Senner eingenommen war. Die nun reichlich benutzte Aussprache und nachfolgende Abstimmung ergab jedoch eindeutig, dass als Klubtracht die Bluse in Frage kommen soll und zwar die Obwaldner Trachtenbluse, im dunkelsten braun gehalten. Betreff der übrigen Klubtrachtstücke wird zwar nicht definitiv beschlossen, wohl aber empfohlen und vorläufig für gut befunden: Obwaldner Hut (à la Alphornbläser Ming), weisses Hemd, schwarze Hose, Mäschli. Die Tracht-Finanzierungsfrage wurde in der Weise gelöst, dass jeder sein Klubkleid borderhand selber bezahlt. Bruno Durrer und Josef Halter werden als Stoff-Comitée bezeichnet; diese beiden haben das vorteilhaften Beschaffen der Trachtenbluse Notwendige vorzukehren.

So bekommt denn unser Klub sein gediegenes Kleid. Wer weiss, vielleicht hat der Gedanke nassoziation Wohnung/Kleidung unseren Jost Mäder dazu veranlasst, dass er spontan das "Kronenstubli" bei unserem Kollegen Walter Steiner als Klublokal ernennt, wogegen auch niemand Einsprache erhebt.

Selbstverständlich muss unser Klub auch einen Namen haben. An Vorschlägen mangelte es nicht: "Länderbuebe", "Bergbuebe", "Echo vom Matterhorn", "Pilatusklänge", "Jodlerklub Ruossi", "Seelüftli", ja sogar "Jodlerklub Margritli" und anderes mehr wurde vorgeschlagen. In einer Abstimmung entschied sich die grosse Mehrheit für den neutralen Namen "Jodlerklub Alpnach". Für den Fall, dass sich einmal eine wirkliche träfe Bezeichnung finden sollte, bleibt eine Namesänderung im ergänzenden Sinne vorbehalten.

Der Monatsbeitrag für die Aktivmitglieder wird bis auf weiteres, d.h. bis die Klubkasse besser fundiert ist, auf Fr. 2.-- festgelegt; für Passivmitglieder soll der Jahresbeitrag Fr. 5.-- betragen. Ein Antrag des Vorstandes, dem Dirigenten zumindest den Monatsbeitrag zu erlassen, auf dessen entscheidende Opposition. Es verbleibt somit wenigstens die Gelegenheit dem Jost Mäder für seine hingebende, selbstlose und auf Können beruhende Dirigententätigkeit im Namen aller zu danken.

Schon war man im Begriffe, die Versammlung zu schliessen, da wird bemerkt, dass noch etwas Wichtiges beinahe vergessen worden wäre: die Wahl der beiden Rechnungsrevisoren. Als solche wurden einstimmig gewählt: Anton Lieb und Walter Steiner.

Um 00:30 Uhr konnte der Präsident die denkwürdige 1. Generalversammlung aufheben.

Anschliessend wird noch ein kleiner Ständchen gebracht, das dem Vater zweier Jodlerkollegen gilt, dem ehrenwerten alt-Pfr. Hs. Roth. Mit dem Gefühl etwas erledigt zu haben, geht die unentwegte Schar auseinander; heimzu.

www.jodlerklub-alpnach.ch